Schulsplitter
Wir können die Kinder nach
unserem Sinne nicht formen.
So wie man sie uns gab,
so muss man sie haben und lieben,
sie erziehen aufs Beste
und jegliches gewähren lassen,
denn der eine hat die,
der andere andere Gaben.

Jeder braucht sie und jeder
ist doch nur auf eigene Weise
gut glücklich.

(J.W. von Goethe)




kommentiert:
Sigomoind:
count prices (Baxter) luxury [url=Hier klicke
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Sigomoind:
bad, the DIAMOND bags, [url=Hier klicken]Chea
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alpha:
verrückt!ich verstehe wohl nie, warum mensche
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Emi:
Hallo,ist es möglich, die Bilder für eine Prä
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Countryqueen:
Wow, habe ich gleich mal meinem Mann vorgeles
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gegrüßt:

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Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-20:12
Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-18:08
Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-17:30
Christine
Einfach nur gut - wunderbar diese Realsatiren. Freu mich schon auf mehr...
LG, Christine
22.6.2007-17:03
Cornelia
Prima!
28.1.2007-19:43
Gabriela
Koestlich! Selten solch Erinnerungsgrinsen gehabt :-)
Ich freu mich auf weitere Stossseufzer ;-)
LG Gabriela
27.1.2007-22:15
Hötti
Wunderbar, Susanne! Wie alles von dir... und wie im echten Leben!
LG
Hötti
27.1.2007-14:54
Sabine
Hallo und herzlich willkommen in der Bloggerwelt. Liest sich ja flott hier. Schön, werde wiederkommen !!!
LG Sabine
26.1.2007-14:45
BLW
Viel Spass mit all den neuen Features der aktuellen Version

Die BLW´s
23.1.2007-20:15
gezählt:
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Kommentare: 54
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Online seit dem: 25.01.2007
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Zielorientieres Einkaufen


„Schmeiß das doch nicht einfach weg!“ fahre ich den Übeltäter an, der da gerade im Begriff ist die leere Margarinendose in den Abfall zu werfen.
In den ABFALL !!!
Dabei eignen sich diese Döschen vorzüglich zum Malen mit Wasserfarben, zum Aufbewahren von diesem und jenem und sicher für noch zwanzig bis dreißig andere unterrichtliche Zwecke.

So eine Verschwendung, die leere Verpackung einfach fortzuwerfen. Man sollte meinen, dass sich meine Familie nach zwölf Jahren daran gewöhnt hat, nichts wegzuwerfen ohne MICH vorher zu fragen.

Gut, ich habe viele – auch die weitläufigen – Familienmitglieder jetzt so weit, dass sie bevorzugt Mon Cherie verschenken.
Weniger weil das Zeug schmeckt (um ehrlich zu sein mag es niemand, aber das sollte nicht die ausschlaggebende Rolle spielen) als vielmehr wegen der kleinen durchsichtigen, rechteckigen Dose, in der Freiarbeitsmaterial gut sichtbar und Dank des Deckels sogar staubfrei aufbewahrt werden kann.

Auch Exquisa wird nun viel zielorientierter konsumiert und der ein oder andere schmiert sich nun schon mal mir zuliebe ein Schnittchen damit, nur, weil auch diese kleinen Döschen ganz hervorragend zu gebrauchen sind.
Um ehrlich zu sein kann man am Exquisa Verbrauch meiner Familie erkennen, in welcher Klassenstufe ich gerade vornehmlich unterrichte.
Lesedominos zum Beispiel, eher in Klasse eins und zwei anzusiedeln, passen ganz prima in diese Käseform, wobei selbstverständlich auch das Konkurrenzprodukt Philadelphia verwertbare Verpackungen aufweist.

Klopapierrollen und selbige von diversen Küchentüchern bekomme ich sozusagen schon automatisiert herübergereicht.
Der Kellervorrat dürfte diesbezüglich bis zu meiner Pensionierung reichen, aber die Familie tut sich doch ein wenig schwer mit dem Umdenken.
Einmal Röllekes gesammelt, immer Röllekes gesammelt und mal ehrlich, wer weiß, wozu ich die eines Tages noch brauchen kann?

Ich verstehe auch durchaus, dass niemand mehr bereit ist freiwillig mit mir einen Baumarkt zu besuchen. Der Baumarkt an sich ist ja für mich so eine Art unterrichtlicher Ideenpool.
Natürlich fällt es mir da schwer, mich auf Bausubstanzen zu konzentrieren, wenn ich an jeder Ecke günstige Kramdosen, Klebebänder und überhaupt all jene kleinen Gegenstände erblicke, die das Herz (fast jeden) Grundschullehrers höher schlagen lassen.

Neulich nämlich sah ich einen Riesenpack Schwämme (diese, die man sowohl in der Badewanne als auch für die Autowäsche nutzen kann) für einen Spottpreis und sofort musste ich meinen Unterricht umstrukturieren und noch schnell eine Einheit zum Thema „Brücken“ einschieben und so die günstigen Schwämme gezielt als Brückenpfeiler etc. einzusetzen und Druckverhältnisse damit zu veranschaulichen.

Unsere eigenen Kinder beispielsweise sind wahrscheinlich die einzigen Kinder weit und breit, die sich nicht gierig auf Eis stürzen, so sie eines sehen, sondern entnervt fragen: „Müssen wir schon wieder Eis essen?“
Ja kann ich etwas dafür, dass diese rechteckigen Literbehältnisse so verdammt geräumig und praktisch sind?

Ganz fatal übrigens sind die neuerdings überall sprießenden Billigläden. Mögen sie heißen wie sie wollen, ich meine jene Läden in denen es alles für einen knappen Euro gibt. Da werden Grundschullehrerinstinkte geweckt, die niederer nicht sein könnten.

Nicht, dass ich mich da nicht beherrschen könnte, aber die 6 km Umweg zu einem solchen Laden liegen doch förmlich auf meinem Nachhauseweg.


26.01.2007, 13.10| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Lehrer

Kleinere Störungen

Ich erinnere mich noch sehr gut an jenen Freitag Morgen, es ist eine ziemliche Weile her, als sozusagen nichts so lief, wie es laufen sollte.....


Vielleicht hätte es mir ja bereits zu denken geben müssen, als mir der nass-braun-floddrig-schmutzige Softball heute Morgen, bei Betreten des Schulhofs, mit voller Wucht ins Gesicht geriet.

Und die daraufhin wenig zartfühlenden Kleinjungenhände, die versuchten, den ekligen Glibberschmutz aus meinem Gesicht zu wischen – was zur Folge hatte, dass der Schmutz in dicken Knubbeln und kleinen Rinnsalen meinen Kragen hinein und abwärts lief – waren auch nicht unbedingt vielversprechend.

Aber von so ein wenig Schmodderschmutz lasse ich mich grundsätzlich ja eher weniger beeindrucken und so nutzte ich die 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn für eine kleine, wenn auch wenig erfolgreiche Reinigungsaktion.
Mit dem Schellen stürzte ich aus der Toilette und rannte kurz eine Kollegin nieder, die das Ganze glücklicherweise unbeschadet überstand, mich aber dezent darauf hinwies, dass aus meiner Nase sturzbachweise Blut laufen würde.

Schnell raffte ich ein Tempo aus tiefsten Taschentiefen und hielt es mir elegant unter die Nase.
Beim Betreten des Schulhofs empfing mich nun zwar kein dreckiger Ball mehr, dafür aber begleitete mich eine Horde Kinder, deren Fragen und Ausrufe stakkatoartig auf mich einprasselten:


„Wie siehst du denn aus?“

„Hasse dich gekloppt?“

„Iiiiiih, das ist eklig!“

„Was ist denn passiert?“

„Bist du krank?“

„Boaaah, cool, ey, die hat sich gekloppt.“

„Geil. Richtig geil!“

„Oh nein das sieht ja scheußlich aus“

„Boah, scheiße, ey!“

„Ich glaub ich muss kotzen!“



Gelassen schritt ich meines Weges, so gelassen, wie man eben sein kann, wenn Blut aus der Nase rauscht und Dreck den Rücken hinunter rinnt.
Kurz vor der Klasse, „meine“ Kinder waren alle voll des laut geäußerten Mitleids mit mir, fing mich eine Mutter ab.
In der einen Hand meine Tasche, die andere mit Taschentuch unter die Nase gepresst, hörte ich konzentriert zu, wie sie mir erklärte:

„Bitte, diese Tropfen muss A. gegen 11.30 Uhr nehmen, 20 Stück. Gegen 12.00 Uhr dann zwei von diesen Tabletten und kurz bevor die Kinder nach Hause gehen bitte einmal den Hustensaft!“

Während ich versuchte, ein mich dauernd am Rückenteil meiner Jacke ziehendes Kind dazu zu bewegen, wenige Schritte von mir zu weichen, versuchte ich die Anweisungen der Mutter wahrzunehmen.

„Und bitte“, erwähnte sie noch „Es ist wirklich dringend!“

Das Ziehen an meiner Jacke nimmt derweil vehemente Züge an und ich gestehe, das
„Mir ist übel!“ des ziehenden Kindes eher weniger wahrzunehmen.
Infolgedessen, ich drehe mich gerade eben um, schwallt eine Menge übelriechendes Erbrochenes über meine Füße und ich überlege kurzzeitig, ob ich mich vielleicht bei
„Versteckte Kamera“ befinde.

Die Kinder meiner Klasse geraten in leichte Hysterie und überbieten sich in IIIIIIIHHHH Rufen, während ich versuche, das sich weiterhin übergebende Kind zu trösten.

„Ich geh lieber!“ ruft die Mutter „Sind sie gut und denken an die Medikamente?“

Aber sicher. Kein Problem. Sollte ich bis dahin noch leben.....

An meinem Rücken bröckelt der angetrocknete Schmutz , als ich mich bücke, um die diversen Körperflüssigkeiten vom Boden - und: nicht zu vergessen, meinen Schuhen – zu wischen.

Die Kinder sitzen an ihrem Platz, das kranke Kind auf meinem Schoß, derweil ich versuche, dessen Mutter mittels Handy zu erreichen.
Die Klassenzimmertür öffnet sich und unsere Sekretärin schiebt acht bis zehn Erstklässler in unsere Klasse.

„Die Kollegin ist erkrankt. Sind Sie bitte so lieb?“

Aber immer.

Die neuen Kinder geraten kurzzeitig ebenfalls in leichte Hysterie, zum einen, weil der Gestank nicht angenehm, zum anderen weil ich höchstwahrscheinlich so einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck vermittle.

„Ich kann das nicht riechen! Da muss ich kotzen!“ versucht ein Kleiner dem Grauen noch zuvor zu kommen, doch da schwappt es schon quer über den Tisch und – oh schauder – über die bereits heraus geholten Hefte einiger Kinder.

Das Kind auf meinem Schoß heult.
Das Kind, das sich gerade übergeben hat heult noch lauter.
Die anderen Kinder schreien wahlweise:

„Iiiiiihhhgitt, das ist ja eklig!“

bzw.

„Boaah, voll cool, wir ham ne Epimi!“



Meine Nase schwillt zu und ich will nach Hause.

Doch was predigte mir neulich eine nie Lehrerin Gewesene:

„Pädagogische Gelassenheit ist das A und O!“

Geübt im Wegwischen von Körperflüssigkeiten entledigen wir uns kurz derselben, ordnen die Tische neu, öffnen die Fenster.

Ein Klopfen an der Tür, freudig schaue ich auf, in der Hoffnung, das erste sich übergebende Kind wird abgeholt.
Aber es ist erneut die Sekretärin.
„Sie kriegen doch heute die neue Praktikantin! Das hier ist Frau K.“

Frau K. schaut sich naserümpfend um, bekundet dann lauthals:
„Uah, das kann ich nicht riechen, da wird mir übel!“ und rennt hinaus.

Auch die Sekretärin findet es bei uns wenig anheimelnd. Wie gut, dass ich mittlerweile nichts mehr riechen kann, anstelle einer Nase habe ich einen undefinierbaren Riesenklumpen im Gesicht.

„Du siehst echt richtig scheiße aus!“ bekundet ein Kind zartfühlend sein Mitgefühl und die anderen Stimmen lautstark zu.

Ich versuche die Eltern vom zweiten sich übergebenden Kind zu erreichen, was zunächst daran scheitert, dass das Kind nur seinen Vornamen kennt und natürlich auch nicht seine Telefonnummer.

Während die Klasse sich an die Freie Arbeit begibt, lösen wir das Telefonproblem und eine nette Ansage springt mir ins Ohr:

„Es ist Freitag Morgen, Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass wir JETZT ans Telefon gehen! Bitte hinterlassen Sie......!“

Brav hinterlasse ich im nasalen Singsang:

„Trotz Freitag Morgen hat sich Ihr Kind gerade übergeben. Es wäre nett, wenn Sie es in Raum X abholen könnten....“

Ich lege ein klein wenig angenervt auf.
Der Schultag kann beginnen!

Kaum sitzen wir im Stuhlkreis um die Geschehnisse des frühen Vormittages verbal aufzuarbeiten, als ein Feueralarm durch das Schulgebäude schrillt.
Da kein Probealarm angekündigt war, wallt sekundelange Panik in mir auf.

„Klassenbuch!“ dröhnt es in meinem geplagten Schädel. (Nicht, dass das jetzt entscheidend gewesen wäre, aber ich trage ein Feueralarm-Klassenbuch-Trauma mit mir herum, seit ich bei meinem ersten Probealarm als richtige Lehrerin gewagt hatte, selbiges im Klassenraum zu vergessen.)

Klassenbuch geschnappt, Kinder aufgestellt, Fenster geschlossen.
Los geht’s.

„Ich komm nicht mit!“ heult da ein Erstklässler auf und hält sich angstvoll an einem Tisch fest. „Ich komm nicht mit, da ist Feuer!“

Die anderen Kinder drehen sich um und mitfühlend geäußerte Kommentare wie:
„Ja, Feuer ist echt gefährlich!“ bestärken den Entschluss des Kindes und seinen Willen nicht mitzukommen.

Ich weiß ja jetzt nicht, aber für pädagogisches Feingefühl fehlt mir ein wenig die Muße und so nehme ich das Kind mehr oder weniger auf den Arm.
Kein cooler Erstklässler lässt sich so mirnichtsdirnichts auf den Arm nehmen und so boxt das kleine angstvolle Wesen mich.
Nicht, dass meine Nase noch dicker werden könnte, aber reichlich Blut hatte ich noch zu bieten........

„Frau S. wann muss ich meine Medizin nehmen?“ fragt mich ein anderes Kind schüchtern und das ist der Punkt wo ich darum bete, dass das Wochenende beginnt......

26.01.2007, 05.27| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schule

Montagmorgen

Mit Montagen ist es wie mit Weihnachten.
Obwohl man lange vorher weiß, dass und wann sie kommen werden, stehen sie doch immer wieder reichlich überraschend und viel zu schnell vor der Tür.

5.30 Uhr der Wecker klingelt. Nach einem kurzen Moment geistiger Benommenheit spüre ich meinen beschleunigten Herzschlag und sitze senkrecht im Bett.
MONTAGmorgen. Die Jagd nach dem besten Platz in der Kopiererwarteschlange hat begonnen.

Hastig ziehe ich mich an, wuschle mir durch die Haare, wecke die Mädel, packe Kindergarten- und Schultaschen und gemahne zur Eile.

"Ist es denn schon wieder Montag?" fragt mich meine Tochter gähnend und fährt fort:
"Manno immer ist Montag. Immer müssen wir uns beeilen!"

Ich überprüfe rasch den Inhalt meiner sechs Leinen- und meiner großen Schultasche.
Bastelzeugs, Anschauungsmaterial, Kopiervorlagen, Bücher ....... scheint alles vorhanden.

"Mädel", dränge ich "wir müssen los!"

7.14 Uhr wir liegen gut in der Zeit. Ich bringe die Kinder in den Kindergarten, brüskiere die Erzieherinnen, in dem ich darauf hinweise, dass es montags ist und ich wirklich keine Zeit für eine kleine Plauderei habe und haste zurück zum Wagen.
7.21 Uhr MIST, zwei Minuten zu spät. Wie kann ich die Zeit nur wieder reinholen?

Mein Auto springt direkt an und ich umarme das Teilchen geistig. Los geht es.
Unruhig mit dem Po im Sitz umherrutschend mahne ich die Fahrer vor mir doch bitte in Zone 50 auch 50 zu fahren und nicht 30 bzw. gefühlte 20.

Schweißperlen stehen mir auf der Stirn, als ich endlich um 7.38 Uhr (viiiieeeel zu spät) auf den Lehrerparkplatz einbiege.
Ich weiche geschickt, wenn auch voller Wut, all jenen Eltern aus, die ihre Kinder am liebsten bis IN die Schule fahren möchten und hierfür gerne mal die Lehrerparkplätze blockieren.

Es gelingt mir einzuparken ohne irgendwen oder irgendwas zu rammen. Hinter mir die Lichter eines anderen Autos. Ein hastiger Blick. Nein, das kann doch wohl nicht wahr sein, schon eine Kollegin.
Ich raffe meine 13 Leinentaschen und die schwere Schultasche vom Beifahrersitz, drücke mit dem Allerwertesten die Autotür zu und eile los.

Ein schneller Blick auf die ausgestiegene Kollegin zeigt mir sofort, dass diese mindestens eine Leinentasche weniger trägt als ich und somit mobiler ist.
Ich sprinte los und ignoriere die schmerzhaft in die Kniekehlen schlagenden Beutel.

Die Kollegin holt auf, also nehme ich die Abkürzung über ein vesumpftes Wiesenstück.

"Heeeee!" brüllt mir da schon unser Hausmeister entgegen "Sie wollen doch mit den Sumpfstiefeln nicht etwa in MEINE Schule?"

Ich catche den 154 Kilo Mann mit all meinen hilfreichen Leinentasche zur Seite, grüße flüchtig und frage mich allen Ernstes, ob der Mann nach 40 Dienstjahren immer noch nicht weiß, was es bedeutet, wenn es MONTAGmorgen ist?

"Das wischen Sie aber weg!" donnert es mir nach und ich versuche mit einem unehrlichen, hastigen Nicken den Mann zu beruhigen.

Die Kollegin holt auf und beinahe zeitgleich erreichen wir die Tür des Lehrerzimmers.
Selbstverständlich stößt sie just in diesem Moment jemand von innen auf, mir somit mit voller Wucht vor die Stirn und ich klatsche - mitsamt den 24 Leinentaschen und der schweren Schultasche - zu Boden.

Der Inhalt aller Taschen ergießt sich auf dem Flur. Ich spüre eine dicke Beule auf meiner Stirn anschwellen und sehe, wie die Kollegin an mir vorbeihastet, leise murmelnd:
"Tut mir leid, du weißt ja, Montag!"

Das war doch abgesprochen. Das kann mir doch keiner erzählen. Das haben die Kollegen doch hinterrücks geplant, um mich aus dem Rennen zu werfen.

Ich klaube mein Zeugs zusammen, renne ins Lehrerzimmer, überblicke die Lage und stehe - als 5. - in der Schlange zum Kopierer.

"Ich bin Nr. 5, ich stehe gleich nach XY!" verkünde ich lautstark, nur damit mir nicht noch irgendwer Rang 5 streitig machen kann.

Ich plaziere meine 27 Leinentaschen und die schwere Schultasche unmittelbar hinter Nr.4 und haste zum Vetretungsplan, um mir den Montagsmorgenüberblick zu verschaffen.
Neben mir intoniert unsere Referendarin: "Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"
Ich eile zurück in die Warteschlange, komme aber nicht ganz bis zu dieser, weil mir irgendwer einen Telefonhörer hinhält.
"Für dich!"

Mist, das Telefonkabel reicht nur bis ca. 3 m vor den Kopierer, ich komme nicht bis zu meinem Warteplatz, werfe aber vorsorglich giftige Blicke in die Runde und schreie noch einmal: "Ich bin Nr. 5!" ehe ich der irritierten Mutter am Telefon erkläre, dass ich nicht sie gemeint habe.

"Mein Sohn soll auf keinen Fall mehr den pestizoid bakteriell verseuchten Kakao trinken!" wird mir mitgeteilt. Yeah, 4.!!! denke ich und antworte, dass es mir neu sei, dass unser Kakao pestizoid und bakteriell verseucht sei.
Daraufhin erklärt man mir, dass von einem Lehrkörper auch nichts anderes als Unwissenheit erwartet würde und ich gefälligst dem Kind das zu viel gezahlte Kakaogeld - denn es trinkt ja nun den Kakao nicht mehr - rückerstatten soll.

"Ey, ich bin Nr.4 !" brülle ich in diesem Moment durch den Raum, will sich doch tatsächlich eine Kollegein vordrängeln. Jetzt schubbst sie auch noch mit den Füßen meine 32 Leinentaschen aus dem Weg. Ehrlich. Wo sind wir denn hier?

Ich erkläre der Mutter geduldig, dass ich nicht sie mit meinem Nr. 4 Ausruf gemeint habe und verwickle mich zusehends in diesem blöden Telefonkabel.
"Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"

7.49 Uhr. Ich bin Nr. 3 - endlich.
Mir fällt das Jandl Gedicht ein: Erster sein!
Und ich finde, so als Dritte steht mir schon ein klein wenig Euphorie zu.
Gerade als ich zurück will in die Kopierschlange wird ein Junge ins Lehrerzimmer geschoben. Das Gesicht voller Blut.
"Nicht auf den Teppich!" schreit unser Hausmeister und unter dem Blut erkenne ich, dass es einer meiner Sprösslinge sein muss.

Ich stolpere nur kurz über das Kabel, lande aber eher sanft und dank Übung bin ich dennoch schnell bei dem Kind, das sein Nasenblut erstmal an meiner weißen Winterdaunenjacke abstreift.

"Telefon für dich!"  drückt man mir erneut einen Hörer in die Hand und ich kann mich zwischen Schielen auf die Kopiererwarteschlange und dem Verarzten des Jungen nur schwer darauf konzentrieren, dass ein weißer Schnellhefter für eine Liedermappe wohl zu farblos sei.

"Unter eine Fichtenwurzel.....!" "Herrje" herrsche ich die überraschte Referendarin an "Lass deinen Wichtel doch bitte mal woanders furzen!"

"Nein", beruhige ich die Mutter am Telefon "ich meinte doch nicht Sie!"
Schiebe den verarzteten Jungen aus dem Zimmer und versuche zum Kopierer zu gelangen.

Während es hinter mir an meiner blutverschmierten Jacke zupft "Frau.... du wolltest uns doch noch die Seepferdchen Ausweise geben!" heult die grob von mir angefahrene Referendarin und beschuldigt mich, an einem ihrer Nervenzusammenbrüche schuldig zu sein, nur weil sie den Zungenbrecher im Lehrerzimmer nicht üben darf.
Sicher versemmelt sie nun die Stunde und überhaupt.

Ich bekenne mich schuldig und dringe in Richtung Kopierer vor,
Da, ich habe es gehört. Habe ich es wirklich gehört?
Oh nein.
War es tatsächlich das schlimme Wort, das ich habe raunen hören?
Das Wort, das mehr Angst einflößt als "Konzept". Noch mehr gar als "Evaluation".
Das eine kleine Wort, dass den Montagmorgen zu einem Weltuntergang degradieren lässt.
Gerade noch geraunt, dringt das Wort wellenmäßig lauter werdend zu mir vor.
Nein, ich habe mich nicht geirrt:

"PAPIERSTAU!" kreischt eine Kollegin hysterisch und ich erstarre.

Hektische Betriebsamkeit macht sich am Gerät vor mir breit. "Sie nehmen jetzt bitte zwei Klassen mit zum Sport!" verkündet mir der Chef und gleichzeitig drückt man mir einen Wischer in der Hand: "Wischen Sie Ihren Dreck weg. So etwas gibt es nicht in MEINER Schule!" brüllt mir der Hausmeister ins Ohr und ich gehe davon aus, dass selbiges nun ertaubt sein wird.

Ein Blick auf den Kopierer. Jaaaaa, er tut es wieder. He, immerhin drei Kopien bevor es wieder staut. Geht doch. Wer sagt's denn.

7.54 Uhr. Ih bin ganz ruhig. Die neben mir keifende und weinende Referendarin muss ich leider ignorieren. Sie muss schnell lernen, was es heißt: MONTAGmorgen.

Zweite.
Ich bin zweite.
Die Kollegin vor mir packt geschätzte 37 Bücher aus und beginnt zu kopieren:
"Du, bei mir dauert das aber!" weist sie mich netterweise drauf hin!
Ich ordne meine 42 Leinentaschen und stelle fest, dass eine Mappe fehlt.

"Hat jemand meine YXZ Mappe gesehen?" frage ich freundlich in die Runde und erhalte ein ebenso freudiges: "Ja, die leih ich mir bis Donnerstag, ist das okay?" zurück.

Der Wichtel furzt auch schon wieder, als ich hastig zum Tisch springe, um meine Mappe zurückzuergattern. Ich meine, wir reden hier von Lehrern. Einmal verliehen für immer weg.

Auf dem Weg zum Tisch reiße ich versehentlich einen Holzschuber mit LÜK Kästen aus dem Regal. Hunderte LÜK Plättchen verstreuen sich kafkaesk auf dem Boden. Das hat was.

Leider kann ich diese nun nicht mehr aufsammeln, denn: Ich bin dran!!!!!!!!!
Erste. Erste. Erste.

Die Plättchen knacken, als ich über sie hinweg renne. Ich erreicht den Kopierer genau in dem Moment, in dem es schellt.

"Macht nichts", tröstet mich die Kollegin "Ist eh Papierstau!"

25.01.2007, 20.00| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Lehrer