Schulsplitter
Wir können die Kinder nach
unserem Sinne nicht formen.
So wie man sie uns gab,
so muss man sie haben und lieben,
sie erziehen aufs Beste
und jegliches gewähren lassen,
denn der eine hat die,
der andere andere Gaben.

Jeder braucht sie und jeder
ist doch nur auf eigene Weise
gut glücklich.

(J.W. von Goethe)




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Sigomoind:
count prices (Baxter) luxury [url=Hier klicke
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Sigomoind:
bad, the DIAMOND bags, [url=Hier klicken]Chea
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alpha:
verrückt!ich verstehe wohl nie, warum mensche
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Emi:
Hallo,ist es möglich, die Bilder für eine Prä
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Countryqueen:
Wow, habe ich gleich mal meinem Mann vorgeles
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gegrüßt:

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Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-20:12
Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-18:08
Antje
So schön begann das Wochenende: Ich las meinen Kolleginnen "die anderen" vor und wir lachten Tränen.
13.2.2010-17:30
Christine
Einfach nur gut - wunderbar diese Realsatiren. Freu mich schon auf mehr...
LG, Christine
22.6.2007-17:03
Cornelia
Prima!
28.1.2007-19:43
Gabriela
Koestlich! Selten solch Erinnerungsgrinsen gehabt :-)
Ich freu mich auf weitere Stossseufzer ;-)
LG Gabriela
27.1.2007-22:15
Hötti
Wunderbar, Susanne! Wie alles von dir... und wie im echten Leben!
LG
Hötti
27.1.2007-14:54
Sabine
Hallo und herzlich willkommen in der Bloggerwelt. Liest sich ja flott hier. Schön, werde wiederkommen !!!
LG Sabine
26.1.2007-14:45
BLW
Viel Spass mit all den neuen Features der aktuellen Version

Die BLW´s
23.1.2007-20:15
gezählt:
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Online seit dem: 25.01.2007
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Bratapfeltag

"Es könnte sein, Kind" so warnte mich meine Mutter "dass nicht alle Kinder einen Bratapfel mögen!"
Entrüstet wies ich diese, durch keinerlei Statistik untermauerte Hypothese weit von mir und wies darauf hin, dass ich immerhin die studierte Fachfrau sei und den Kindern ein wahres Feuerwerk der Sinnesgelüste bevorstünde.

Die Kinder meines damaligen ersten Schuljahres fanden die Idee eines Bratapfeltages - selbstverständlich passend zum gleichnamigen Gedicht - grandios und am auserkorenen Tage hatte nicht ein Kind vergessen, einen Apfel mitzubringen.

Zwar hatten sie unerwähnt gelassen, dass sie zuvor nie einen Bratapfel gegessen hatten, aber wie konnten sie auch davon ausgehen, dass ich genau davon ausging?

In adventlich besinnlicher Stimmung näherten wir uns den später zu verspeisenden Äpfeln, verbal und selbstverständlich mit Kopf, Herz und Hand.
So fühlten wir unsere Äpfel, rochen an ihnen, beschrieben sie und vergaßen selbstverständlich auch eine kurze Apfelmeditation nicht.

Die Lieder, die wir sangen waren thematisch ebenfalls auf die Frucht unseres Tages abgestimmt - was mich im Vorfeld harte Recherchearbeit gekostet hatte, denn allzu gängig sind Bratapfellieder nun nicht gerade.

Etwas nervenaufreibend gestaltete sich das Entfernen der 24 Kerngehäuse, aber meine gestählten Junglehrerinnennerven trugen das mit Fassung und viel Geduld.

Um auch ja eine passende Form der irgendwie gearteten Differenzierung in unseren Bratapfeltag zu integrieren, durften die Kinder sich nun ihre ureigenste Füllung zusammenstellen und so ihren individuellen Bratapfel kreieren.
Voller Eifer wurden nun also Mandeln, Nüsse, Marzipan, Rosinen, Marmelade und Honig in die Äpfel gepresst und es kam schnell die Frage auf, wie wir die individuellen, so ganz persönlichen Äpfel würden unterscheiden können sobald sie im Ofen wären.

Improvisation ist im Lehrerleben fast alles und so schrieben die Kinder brav mit einem wasserfesten Stift ihre Namen auf das untergelegte Backpapier.

Während die Äpfel nun bereits im Ofen vor sich hin brutzelten, rührten wir eine Vanillesauce an und ergötzten uns am herrlich leckeren Bratapfelduft.

Natürlich durfte auch ein Apfelmandala nicht fehlen, hin und wieder schauten einige Kinder eifrig durch die zuvor blank gescheuerte Backofentür, um in ehrfurchtsvollen "Aaaaaah" und "Ooooh" Rufen kundzutun, dass sich im Innern des Ofens etwas tat.

Es machte nicht allzuviel, dass die aus den aufplatzenden Äpfeln herausquillenden Füllungen unsere Schriftzüge verwischten, da mir beim Herausziehen des Backbleches sowieso allo 24 Äpfel durcheinander purzelten.

Im ersten Schuljahr neigen Kinder noch nicht dazu, die Trotteleien ihrer Lehrerin auszulachen und so eilten alle Kinder entsetzt und voller Fürsorge für Äpfel und Lehrerin herbei und stifteten mit ihren 48 Händen noch ein klein wenig mehr Verwirrung unter den Bratäpfeln.

Die erste wilde Prügelei ob des Besitzstandes eines Apfels konnte ich gerade noch im Keime ersticken, bei sämtlichen anderen Äpfeln hatte ich nun aber auch größte Schwierigkeiten die Besitzverhältnisse zu klären.

Salomonisch erhielt nun erst einmal jedes Kind irgendeinen Apfel. Das hatte zur Folge, dass einige Kinder höchst zufrieden waren:
Ihr Apfel wies zwar eine ihnen unbekannte, aber lecker aussehende Füllung auf.
Die Hälfte der Klasse jedoch wies lautstark darauf hin, dass dies unmöglich ihr Apfel sein könnte.
Neun Äpfel wollte gar niemand, denn ihre Füllung wies Rosinen auf und Rosinen, da waren sich alle Kinder einig, sind eklig.
Niemand, natürlich schon gar nicht jene Kinder, die ich beim Rosineneinfüllen hatte beobachten können, hatte je Rosinen in seinen Apfel gefüllt und keiner konnte sich erklären, wie diese ekelhaften Teilchen überhaupt in die Nähe irgendeines Apfels gekommen waren.
Fünf Kinder erwähnten nach dem ersten Bissen, sie hätten das Gefühl sich übergeben zu müssen. Ihre Wortwahl war ein wenig grobschlächtiger, was nicht zum harmonischen gemeinsamen Essvorgang beitrug.
Sieben Kinder waren der Ansicht, genau ihr Nebenmann äße gerade exakt ihren Apfel, wobei die jeweiligen Nebenmänner sich sicher waren, ihren eigenen Apfel zu verspeisen.
Drei Kinder heulten, zweien schwappte die Vanillesauce über Teller, Tisch und Kleidung.
Acht Kinder äußerten lautstark ihre Meinung über ungenießbare Bratäpfel und die Tatsache dass ich zu erwähnen vergessen hatte wie super ekelhaft Bratäpfel seien.
Elf Kindern kullerte der Apfel vom Teller, hinterließ eine schleimige Schmierspur auf dem Tisch, nur um dann sein Rollen unter dem Tisch fortzusetzen.
Fünf Kinder testeten den Bratapfelgabelweitflug und mindestens sieben Kinder scharten sich immer mit ihren tropfenden Tellern um mich herum, um nachzufragen wohin mit den ekligen Resten.

Nun steckten wir in einem mittleren moralischen Dilemma. Die ausgepuhlten Äpfel boten keinen schönen Anblick und schienen keineswegs mehr geeignet, sie Weiteressern anzubieten.
Da wurde hier das Marzipan herausgepuhlt und dort die Nüsse. Marmelade wurde an den rechten, Apfelhaut an den linken Rand geschoben.
Gerne auch wurde der gesamte Apfel ein wenig vermatscht, so dass eine breiige, undefinierbare Masse aus diversen Einzelspeisen entstand.

Aber, so wurde mir direkt von einem Jungen erklärt:
"Wir dürfen das nicht wegschmeißen wegen den armen Kindern in Afrika!"

Es schien mir ein wenig geeigneter Moment diesen Standpunkt näher auszudiskutieren.
Sehr pragmatisch veranlagt stopfte ein anderes Kind die Überbleibsel seines vor Vanillesauce triefenden Apfels in seine Brotdose, hinterließ dabei weißliche Schleimspuren auf Tisch, Kleidung und im Tornister und verkündete: "Ich nehm das meiner Mutter mit!"
Mein dezenter Hinweis darauf, dass die Mutter es durchaus als ein wenig unangenehm empfinden könnte, diesen triefenden Bratapfel in der Brotdose vorzufinden wurde vehement abgetan mit: "Meine Mama mag Bratäpfel gerne!"
Auf den Hinweis eines anderen Kindes: "Du kannst das ja alles essen, Frau Schäfer!" ging ich allerdings sehr wohl näher ein und nachdem wir den Sachbestand meiner bislang geheimgehaltenen Apfelallergie geklärt hatten, trafen wir uns ersteinmal im Stuhlkreis.

So ein Bratapfeltag musste schließlich reflektiert werden und so erklärten drei Kinder nacheinander:

"Ja, mir hat alles gut gefallen bis auf den Apfel, den fand ich eklig!"

"Mir hat auch alles gut gefallen, aber den Apfel mochte ich auch nicht!"

"Ja mir hat alles Spaß gemacht, aber so einen Apfel esse ich nie wieder!"

An diesem Tag führten wir die nützliche Regel vermeidbarer Wiederholungen in Stuhlkreisgesprächen ein.

Wir rundeten den in Gänze an sich ja doch sehr gelungenen Tag mit einigen Liedchen ab und ein Junge fasste das Tagesgeschehen so zusammen:

"Toll, Frau Schäfer, auch wenn Sie alle Äpfel durcheinandergeschmissen haben. Sowas passiert Frauen eben!"






29.01.2007, 06.14| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schule

Kekskrümeldiagnostik

Fortbildungsresistent ist man nicht automatisch, sozusagen mit Beginn des Lehrerdaseins - auch wenn uns genau das kühn schreibende Mütter suggerieren möchten - nein, fortbildungsresistent wird man eventuell, und dies auch nur, wenn man zu viele Fortbildungen besucht hat, die mit krümellos leeren Plätzchentellern endeten.

Kein Instrumentarium und kein noch so ausgereifter Evaluationsbogen kann die Qualität einer Fortbildung besser bezeugen als der Plätzchenbestand am Ende einer Fortbildung.

Gut gefüllte Teller zum Beispiel legen anschaulich dar, dass sämtliche Teilnehmer entweder a) auf Diät sind (was eher unwahrscheinlich ist) oder b) keine Zeit hatten, sich an den Plätzchen zu vergreifen (die wahrscheinlichere Variante).

Leere Teller hingegen zeugen höchstwahrscheinlich von ermüdender Langeweile und einer gehörigen Portion Frustessen von Seiten der Teilnehmer.

Sind die Teller bereits nach zehn Minuten sowas von ratzekahl leer hat der Moderator ein Problem.

Ich kann mich noch sehr gut an die eine Fortbildung erinnern, während der ich ernsthaft erwog in den naheliegenden Supermarkt zu fahren, um Keksnachschub zu erwerben.


Mit ihren weißen Haaren, dem zartrosa Kostümchen und beinahe schwebend betritt die Referentin engelsgleich den Raum. Zwanzig Lehreraugenpaare richten sich auf jene Dame, die uns nun einen Nachmittag lang das Fördern einzelner Kinder nahe bringen möchte. Eingequetscht auf Erstklässlerstühlen, die Beine mühsam unter die niedrigen Tische gequetscht warten wir begierig auf das, was da kommen mag.

"Guten Morgen", haucht die Dame pastoral "wie schön, dass wir alle beieinander sind!"
"Schauen Sie!" geht es nach einer kurzen namentlichen Vorstellung ihrerseits weiter "ich reiche allen Schülern morgens grundsätzlich meine rechte, die waffenfreie Hand. Damit setze ich bewusst das Zeichen für Friedfertigkeit und beuge jedem Streit vor. Wir wollen das auch einmal versuchen!" ordert die Dame an und schüttelt beflissen jedem von uns die Hand. "Hallo, ich bin YX, ich reiche dir meine rechte, waffenlose Hand!"

Bereits jetzt kann ich den pastoralen Singsang der Dame kaum ertragen, spiele das Spielchen aber mit.
Man möchte sich nicht schließlich in den ersten vier Minuten als Hauptbedenkenträger zu erkennen geben.

"Wenn Sie jedes Kind morgens per Handschlag begrüßen, werden Sie in der Pause kaum mehr Hader und Zwist beobachten können. Denn die rechte, unsere waffenfreie Hand, gibt so bereits Ausdruck darüber, dass wir in friedfertiger Absicht gekommen sind!"
"Ich bin aber Linkshänderin!" wagt eine Teilnehmerin anzumerken und wird sofort mit einem unwirschen Blick gestraft. "Sehen Sie, wenn Sie mir Ihre linke, ich Ihnen meine rechte Hand gebe, so passen diese nicht ineinander. Nur zwei rechte Hände passen wunderbar zusammen, probieren Sie es doch einfach mal aus!"

Neben mir summt ein Teilnehmer frei nach Grönemeyer: "....meine Faust will unbedingt in ihr Gesicht und darfs nicht....."
Die ersten zehn Minuten sind um. Die Dame betont, dass es wichtig für das Schulleben sei, dass jeder Kollege und jede Kollegin jedem Kind der Schule morgens die rechte - und wie wir mittlerweile ja wissen WAFFENFREIE - Hand zu reichen.
Nur so erhält das Signal eben auch Signalwirkung. Ich rechne kurz aus, wann ich an der Schule sein muss, um allen 240 Kindern die Hand zu schütteln und versuche krampfhaft mir einen organisatorischen Trick einfallen zu lassen, um Engpässe an der Schuleingangstür zu vermeiden. Und was mache ich mit den Kindern, die zur zweiten Stunde kommen?
Ich stelle mal - recht provokativ,ich bekenne es - die Frage: "Wie funktioniert das denn organisatorisch?"

"Nun, Sie gehen raus und geben jedem Kind die Hand!" Die Dame wirkt leicht irritiert ob meiner wirklich zu blöden Frage und runzelt angenervt die Stirn.
"Ich schaffe es nichtmal allen 120 Kollegen die Hand zu schütteln!" wagt ein Berufsschullehrer anzumerken und das erheiternde Lachen aller Teilnehmer verunsichert die Referentin, die zu bedenken gibt:

"Nun, an unserer Grundschule gibt es insgesamt immerhin auch 84 Kinder. Und dennoch regelt sich das wunderbar!"

Ich bin recht froh über die Tatsache, dass mein Stuhl unmittelbar vor einem Plätzchenteller steht und vertreibe mir die Zeit - wie die restlichen Teilnehmer ebenfalls - zunächst mit Plätzchenessen.
Aber, selbstverständlich werden wir direkt wieder gebeten ins Kleinkindalter zurück zu fallen, und müssen Fingerspiele nachmachen: "Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen......"
Uns wird das Ganze dann als individuelle Förderung für LRS Kinder verkauft und ich stelle mir bildlich vor, wie ich anfänglich pubertierende Viertklässler demnächst mit "Hast nen Taler, gehst zum Markt, kaufst ne Kuh.....!" beglücken werde.
"Wäre es nicht sinnvoller, im Grundschulalter auf das Sprechzeichnen zurück zu greifen?" frage ich und ernte erneut einen bitterbösen Blick.

"Wir reden hier über jahrhundertlang bewährte Alternativen. Im Übrigen kann ich zum Sprechzeichnen nichts sagen, der Begriff ist mir fremd!"

Die Berufsschullkollegen in unserer Runde geben zu bedenken, dass es nicht unbedingt eine berufsschuladäquate Übungsform sei, Fingerspiele mit den 16 Jährigen zu machen. Aber so wird Ihnen erklärt:

"Fragen Sie mal, ob ihre Schüler früher gekrabbelt sind als Baby. Sind sie nicht. Alle Kinder mir LRS sind nicht gekrabbelt. Alle Kinder, die nicht krabbeln haben später Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten!"

In diesem Moment erkenne ich mit Erschrecken, dass der hiesige Plätzchenteller bereits leer und deutlich krümellos ein trauriges Dasein fristet. Mein hektischer Blick auf die umliegenden Plätzchenteller zeigt mir dasselbe traurige Erscheinungsbild und dies nach nicht einmal 30 Minuten!

"Also mein Sohn ist nie gekrabbelt und hat gerade sein Abitur mir 1,3 gemacht!" wirft eine Teilnehmerin ein.

"MEIN Sohn hat das Krabbeln als Entwicklungsstufe auch übersprungen, aber er hat dafür jahrelang voltigiert und dann schließlich ein 1,1 Abitur gemacht!"

Da meine beiden Töchter beide gekrabbelt sind kann ich nun darüber nachdenken, ob sie entweder dennoch ein LRS Kind werden oder wahlweise das Abi im Einserbereich bestehen werden.
Mich lenkt diese häusliche Problematik kurzzeitig vom eigentlichen Inhalt und auch den leeren Plätzchentellern ab, dennoch bekomme ich mit wie es in meiner Nachbarschaft murmelt:

"Jetzt ist der Sohn wahrscheinlich schwul!" und ich fange an kindisch zu kichern.

"Nun, es scheint, als bräuchten Sie wieder eine Spielsequenz!" resümiert die Dame.
Während wir, die Grundschulkollegen in der Runde, einer solchen Sequenz eher gelassen entgegen sehen, macht sich deutlicher Widerwillen in den Gesichtern der Gymnasial- und Berufschulkollegen breit.
Ich sehe ihre panischen Blicke Richtung Plätzchenteller, aber kein Keks mehr da zum Festhalten.
Was sage ich?
Keks?
Nicht ein Krümel ist mehr zu finden auf den diversen Tellern.

Wir stellen uns nun artig zu zweit gegenüber.
Auf den Hacken laufen wir mit geschlossenen Augen fünf Schritte zurück, um anschließend mit geöffneten Augen wieder unserem Partner entgegen zu laufen.
Gut, ich habe jetzt ein klein wenig Probleme mit meinen beabsatzten Stiefeln auf Hacken zu laufen, aber der gute Wille allein zählt und so schwanke ich rücklings und meine Partnerin fragt mich, ob ich schon einen gehabt hätte.
Ich bekunde Gegenteiliges, gebe aber zu bedenken, dass diese Fortbildung leichter zu ertragen wäre, wenn ich doch einen gehabt hätte.

Das ist der Augenblick, wo die Dame mich als Hauptbedenkenträgerin und Querulantin einstuft. Fortan werde ich sträflich ignoriert.
Nicht, dass mir das viel ausmachen würde. Ärgerlich allerdings die Tatsache, dass unser Plätzchenteller schon leer ist.

Wir erfahren, dass die Kinder keine Körperspannung aufbauen können und üben aus diesem Grunde den Stopptanz.
Mal ganz was Neues.

Zwischendurch legen wir Daumen und Zeigefinger dreieckförmig an die Stirn. Pressen die Finger förmlich an die Stirn, schließen dabei die Augen und staunen darüber, wie sehr sich die Welt verändert hat, wenn wir die Augen jetzt wieder öffnen.

Wir erfahren, ganz nebenbei, dass die Dame ein Buch verfasst hat. [Mensch, und rein zufällig hat sie gleich 724 Exemplare mitgebracht, falls wir für uns und unsere Freunde....]
Es ist mir zwar schleierhaft, wieso man aus dem selbstverfassten Buch vorlesen muss und seinen Vortrag nicht frei halten kann, aber nach dem, was die Dame von sich gibt, liegt das Schreiben des Buches vielleicht auch schon ein paar Jährchen zurück.
Da kann man sich wahrscheinlich nicht mehr so gut erinnern.

Natürlich dürfen wir auch noch in Gruppen arbeiten. Natürlich müssen wir dazu in dem Buch blättern und natürlich müssen wir Zitate liefern.

Nach vier Stunden habe ich folgendes gelernt:

** man darf auch den letzten Keks vom Teller nehmen, wenn man sich in einer verzweifelten Lage befindet
** die Dame hat einen schwulen Sohn mit Einserabi
** die Dame hat acht Jahre lang Elternzeit genossen
** die Dame arbeitet an einer Grundschule mit 84 Kindern
** beabsatzte Schuhe taugen nichts beim Hackengang
** alle nichtkrabbelnden Kinder sind blöd
** alle blöden Kinder sind nie gekrabbelt
** Fingerspiele sind das Allheilmittel
** unsere rechte Hand ist waffenfrei

Ich finde, dafür hat es sich gelohnt, 47 Kilometer zu fahren, einen Nachmittag zu opfern und 25,50 Euro zu bezahlen.

Immerhin wende ich seit diesem Tag die Kekskrümeldiagnostik an.
Sie irrt nie.

28.01.2007, 08.35| (4/0) Kommentare (RSS) | (1) TB | PL | einsortiert in: Schule

Der Teufel steckt im Detail

Ich hatte alles nahezu perfekt vorbereitet. 145 Stunden harte Arbeit und Denken an nichts anderes hatte ich in diese eine Stunde, meine erste Lehrprobe, gesteckt.
Unter der Dusche, während des Essens, nächtens und über Tag, im Auto und beim Fernsehen, während des Lesens und gar auf der Toilette, während des Staubsaugens, des Bügelns, des Radfahrens, in Pausen und durchaus auch mitten in thematisch anders orientierten Gesprächen - IMMER hatte ich geplant und strukturiert, meine Mitmenschen in den Wahnsinn getrieben und an dieser einen Stunde gefeilt.

Immerhin galt es nicht nur den Kindern etwas beizubringen, nein, auch kritische Mentorenaugen und noch kritischere Fachleiterpersönlichkeiten mussten zufrieden gestellt werden.

Der Überraschungseieffekt sozusagen, nur auf Referendariatsebene: Gleich drei Dinge auf einmal!

Ich hatte die Lichtverhältnisse im Klassenraum vermessen und Staub gewischt. Die Sitzordnung war nahezu optimiert, die Tafel erstmalig seit hunderten von Jahren mit Sidolin - streifenfrei - von mir gesäubert worden.
Sämtliches Material - in mühevoller, stundenlanger abendlicher Arbeit gebastelt, geschnitten, laminiert - stand optisch natürlich mehr als ansprechend und auffordernd bereit.

Meine Stimme, Gestik, Mimik hatte ich pausenlos vor meinem Spiegelbild trainiert.

Alles schien perfekt. Ich war bereit.

Die Stunde begann, der Klassenraum füllte sich nicht nur mit Kindern, sondern auch mit zwei besonders erwartungsvoll schauenden Fachleitern.

Ich hatte alles im Griff.
Beinahe.

Es lief perfekt. Nein, wirklich, ohne mich im Selbstlob ertränken zu wollen, es lief perfekt.
Raumklima und Körpergeruch waren passend und stimmig, ich hatte eben an alles gedacht.

Nur dann kam - wie ich ungern gestehe - der eine winzig kleine Moment, der die bislang so runde Stunde ein klein wenig, na, sagen wir mal "kippte".

Ich weiß nicht, was Lesebuchautoren sich dabei denken, wenn sie in einen harmlosen, kurzen Lesetext für Zweitklässler das kleine Wörtchen aschgrau schmuggeln.
Sicherlich denken sie nicht an nervöse, arme Referendare, denen der Angstschweiß vom Rücken in die Schuhe rinnt, wenn eine tapfer bemüht und schön lesende Zweitklässlerin ein winzig kleines "r" in dieses Wörtchen schmuggelt.

Ich hatte an alles gedacht.
Eine Aromalampe verteilte erfrischenden Zitrusduft im Raume.
Meine Fingernägel waren gestutzt, nur um niemals zufällig und versehentlich ein Kind mit selbigen zu verletzten.
Es lagen Kühlakkus bereit für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Kind vom Stuhle fiele und sich sonstwas aufschlagen würde.
Meine erste Hilfe Tasche stand parat und ich hatte mir überlegt, wie ich reagieren würden, müsste die halbe Klasse auf einmal zur Toilette.

Ich hatte differenziertes Material für jene Kinder erstellt, die vielleicht etwas Hilfe bräuchten, nicht zu vergessen das Material für die Kinder, die schnell fertig sein würden.

Mein Pullover war nicht neu, nur um Ausrufe alá: "Hast du einen neuen Pulli!" zu verhindern, aber auch nicht zu alt wegen: "Hast du schon wieder den alten Pulli an!"

An alles hatte ich gedacht. Wirklich an alles.
Nur dieses eine kleine Wörtchen, das hatte ich in meiner Beflissenheit übersehen.

Nun wurde also aus der aschgrauen Ritterrüstung eine arschgraue Ritterrüstung und mit einem Male hatte ich eine sich vor lachende krümmende, tobende, johlende Klasse vor mir.

Nicht, dass das allein schon Anlass zur Panik genug gewesen wäre. Nein, was geschieht mit mir?
Gluckst da tatsächlich ebenfalls ein kleines, albernes, teenagerhaftes, perlendes Lachen aus mir heraus?
Wäre es nicht zu albern, hätte ich mir just in diesem Moment die Hand vor den Mund gehalten. Vor Entsetzen, nicht, um das bereits herausgeperlte Lachen zurückzuzwingen.

Hatte man uns nicht monatelang nahezu eingeprügelt niemals, und ich meine damit NIEMALS über einen Schülerfehler zu lachen.

Hatte ich da eben DEN Fehler schlechthin begangen?
Waren das lesende Kind, die ganze Klasse und natürlich ICH nun hoffnungslos verloren?

Noch immer lachten die Kinder. Es musste etwas geschehen.

"Nun, das war aber mal ein lustiger Verleser!" beeilte ich mich zu sagen und stöhnte innerlich auf: "Was redest du da nur für einen Schwachsinn, Susannne!"

"Aber so lustig wie die arschgraue Rüstung auch sein mag, ein bisschen müssen wir noch schaffen!" werfe ich munter in die Runde und erwürge mich innerlich für meine Dummheit, das besagte Wörtchen betont noch einmal erwähnt zu haben.

Ich kann nicht genau sagen, wie es weiterging, da die restliche Stunde nur sehr verschwommen an mir vorbeirauschte.

Mit gesenktem Kopf eilte ich später den Fachleitern in den Besprechungsraum hinterher.

"Das haben Sie ja schön verbockt!" raunzte mich mein Mentor an und mein Kopf und Mut sanken tiefer und tiefer. 

Zwischen Kaffee und belegten Brötchen, selbiges noch im Munde zermalmend, wurde mir wenig später von einem der Fachleiter eröffnet:

"Na, mit dem Arschgrau sind Sie ja professionell umgegangen. Glückwunsch. Ich hätte nicht gewusst, wie ich mich da so elegant herauswinden könnte!"

Ein Blick in das Gesicht des Sprechenden verriet: Nein, das war nicht ironisch gemeint.

Doch die wichtigste Lektion, die ich damals lernte war die:
Verstehe wer seine Fachleiter!


27.01.2007, 06.57| (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schule

Zielorientieres Einkaufen


„Schmeiß das doch nicht einfach weg!“ fahre ich den Übeltäter an, der da gerade im Begriff ist die leere Margarinendose in den Abfall zu werfen.
In den ABFALL !!!
Dabei eignen sich diese Döschen vorzüglich zum Malen mit Wasserfarben, zum Aufbewahren von diesem und jenem und sicher für noch zwanzig bis dreißig andere unterrichtliche Zwecke.

So eine Verschwendung, die leere Verpackung einfach fortzuwerfen. Man sollte meinen, dass sich meine Familie nach zwölf Jahren daran gewöhnt hat, nichts wegzuwerfen ohne MICH vorher zu fragen.

Gut, ich habe viele – auch die weitläufigen – Familienmitglieder jetzt so weit, dass sie bevorzugt Mon Cherie verschenken.
Weniger weil das Zeug schmeckt (um ehrlich zu sein mag es niemand, aber das sollte nicht die ausschlaggebende Rolle spielen) als vielmehr wegen der kleinen durchsichtigen, rechteckigen Dose, in der Freiarbeitsmaterial gut sichtbar und Dank des Deckels sogar staubfrei aufbewahrt werden kann.

Auch Exquisa wird nun viel zielorientierter konsumiert und der ein oder andere schmiert sich nun schon mal mir zuliebe ein Schnittchen damit, nur, weil auch diese kleinen Döschen ganz hervorragend zu gebrauchen sind.
Um ehrlich zu sein kann man am Exquisa Verbrauch meiner Familie erkennen, in welcher Klassenstufe ich gerade vornehmlich unterrichte.
Lesedominos zum Beispiel, eher in Klasse eins und zwei anzusiedeln, passen ganz prima in diese Käseform, wobei selbstverständlich auch das Konkurrenzprodukt Philadelphia verwertbare Verpackungen aufweist.

Klopapierrollen und selbige von diversen Küchentüchern bekomme ich sozusagen schon automatisiert herübergereicht.
Der Kellervorrat dürfte diesbezüglich bis zu meiner Pensionierung reichen, aber die Familie tut sich doch ein wenig schwer mit dem Umdenken.
Einmal Röllekes gesammelt, immer Röllekes gesammelt und mal ehrlich, wer weiß, wozu ich die eines Tages noch brauchen kann?

Ich verstehe auch durchaus, dass niemand mehr bereit ist freiwillig mit mir einen Baumarkt zu besuchen. Der Baumarkt an sich ist ja für mich so eine Art unterrichtlicher Ideenpool.
Natürlich fällt es mir da schwer, mich auf Bausubstanzen zu konzentrieren, wenn ich an jeder Ecke günstige Kramdosen, Klebebänder und überhaupt all jene kleinen Gegenstände erblicke, die das Herz (fast jeden) Grundschullehrers höher schlagen lassen.

Neulich nämlich sah ich einen Riesenpack Schwämme (diese, die man sowohl in der Badewanne als auch für die Autowäsche nutzen kann) für einen Spottpreis und sofort musste ich meinen Unterricht umstrukturieren und noch schnell eine Einheit zum Thema „Brücken“ einschieben und so die günstigen Schwämme gezielt als Brückenpfeiler etc. einzusetzen und Druckverhältnisse damit zu veranschaulichen.

Unsere eigenen Kinder beispielsweise sind wahrscheinlich die einzigen Kinder weit und breit, die sich nicht gierig auf Eis stürzen, so sie eines sehen, sondern entnervt fragen: „Müssen wir schon wieder Eis essen?“
Ja kann ich etwas dafür, dass diese rechteckigen Literbehältnisse so verdammt geräumig und praktisch sind?

Ganz fatal übrigens sind die neuerdings überall sprießenden Billigläden. Mögen sie heißen wie sie wollen, ich meine jene Läden in denen es alles für einen knappen Euro gibt. Da werden Grundschullehrerinstinkte geweckt, die niederer nicht sein könnten.

Nicht, dass ich mich da nicht beherrschen könnte, aber die 6 km Umweg zu einem solchen Laden liegen doch förmlich auf meinem Nachhauseweg.


26.01.2007, 13.10| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Lehrer

Kleinere Störungen

Ich erinnere mich noch sehr gut an jenen Freitag Morgen, es ist eine ziemliche Weile her, als sozusagen nichts so lief, wie es laufen sollte.....


Vielleicht hätte es mir ja bereits zu denken geben müssen, als mir der nass-braun-floddrig-schmutzige Softball heute Morgen, bei Betreten des Schulhofs, mit voller Wucht ins Gesicht geriet.

Und die daraufhin wenig zartfühlenden Kleinjungenhände, die versuchten, den ekligen Glibberschmutz aus meinem Gesicht zu wischen – was zur Folge hatte, dass der Schmutz in dicken Knubbeln und kleinen Rinnsalen meinen Kragen hinein und abwärts lief – waren auch nicht unbedingt vielversprechend.

Aber von so ein wenig Schmodderschmutz lasse ich mich grundsätzlich ja eher weniger beeindrucken und so nutzte ich die 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn für eine kleine, wenn auch wenig erfolgreiche Reinigungsaktion.
Mit dem Schellen stürzte ich aus der Toilette und rannte kurz eine Kollegin nieder, die das Ganze glücklicherweise unbeschadet überstand, mich aber dezent darauf hinwies, dass aus meiner Nase sturzbachweise Blut laufen würde.

Schnell raffte ich ein Tempo aus tiefsten Taschentiefen und hielt es mir elegant unter die Nase.
Beim Betreten des Schulhofs empfing mich nun zwar kein dreckiger Ball mehr, dafür aber begleitete mich eine Horde Kinder, deren Fragen und Ausrufe stakkatoartig auf mich einprasselten:


„Wie siehst du denn aus?“

„Hasse dich gekloppt?“

„Iiiiiih, das ist eklig!“

„Was ist denn passiert?“

„Bist du krank?“

„Boaaah, cool, ey, die hat sich gekloppt.“

„Geil. Richtig geil!“

„Oh nein das sieht ja scheußlich aus“

„Boah, scheiße, ey!“

„Ich glaub ich muss kotzen!“



Gelassen schritt ich meines Weges, so gelassen, wie man eben sein kann, wenn Blut aus der Nase rauscht und Dreck den Rücken hinunter rinnt.
Kurz vor der Klasse, „meine“ Kinder waren alle voll des laut geäußerten Mitleids mit mir, fing mich eine Mutter ab.
In der einen Hand meine Tasche, die andere mit Taschentuch unter die Nase gepresst, hörte ich konzentriert zu, wie sie mir erklärte:

„Bitte, diese Tropfen muss A. gegen 11.30 Uhr nehmen, 20 Stück. Gegen 12.00 Uhr dann zwei von diesen Tabletten und kurz bevor die Kinder nach Hause gehen bitte einmal den Hustensaft!“

Während ich versuchte, ein mich dauernd am Rückenteil meiner Jacke ziehendes Kind dazu zu bewegen, wenige Schritte von mir zu weichen, versuchte ich die Anweisungen der Mutter wahrzunehmen.

„Und bitte“, erwähnte sie noch „Es ist wirklich dringend!“

Das Ziehen an meiner Jacke nimmt derweil vehemente Züge an und ich gestehe, das
„Mir ist übel!“ des ziehenden Kindes eher weniger wahrzunehmen.
Infolgedessen, ich drehe mich gerade eben um, schwallt eine Menge übelriechendes Erbrochenes über meine Füße und ich überlege kurzzeitig, ob ich mich vielleicht bei
„Versteckte Kamera“ befinde.

Die Kinder meiner Klasse geraten in leichte Hysterie und überbieten sich in IIIIIIIHHHH Rufen, während ich versuche, das sich weiterhin übergebende Kind zu trösten.

„Ich geh lieber!“ ruft die Mutter „Sind sie gut und denken an die Medikamente?“

Aber sicher. Kein Problem. Sollte ich bis dahin noch leben.....

An meinem Rücken bröckelt der angetrocknete Schmutz , als ich mich bücke, um die diversen Körperflüssigkeiten vom Boden - und: nicht zu vergessen, meinen Schuhen – zu wischen.

Die Kinder sitzen an ihrem Platz, das kranke Kind auf meinem Schoß, derweil ich versuche, dessen Mutter mittels Handy zu erreichen.
Die Klassenzimmertür öffnet sich und unsere Sekretärin schiebt acht bis zehn Erstklässler in unsere Klasse.

„Die Kollegin ist erkrankt. Sind Sie bitte so lieb?“

Aber immer.

Die neuen Kinder geraten kurzzeitig ebenfalls in leichte Hysterie, zum einen, weil der Gestank nicht angenehm, zum anderen weil ich höchstwahrscheinlich so einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck vermittle.

„Ich kann das nicht riechen! Da muss ich kotzen!“ versucht ein Kleiner dem Grauen noch zuvor zu kommen, doch da schwappt es schon quer über den Tisch und – oh schauder – über die bereits heraus geholten Hefte einiger Kinder.

Das Kind auf meinem Schoß heult.
Das Kind, das sich gerade übergeben hat heult noch lauter.
Die anderen Kinder schreien wahlweise:

„Iiiiiihhhgitt, das ist ja eklig!“

bzw.

„Boaah, voll cool, wir ham ne Epimi!“



Meine Nase schwillt zu und ich will nach Hause.

Doch was predigte mir neulich eine nie Lehrerin Gewesene:

„Pädagogische Gelassenheit ist das A und O!“

Geübt im Wegwischen von Körperflüssigkeiten entledigen wir uns kurz derselben, ordnen die Tische neu, öffnen die Fenster.

Ein Klopfen an der Tür, freudig schaue ich auf, in der Hoffnung, das erste sich übergebende Kind wird abgeholt.
Aber es ist erneut die Sekretärin.
„Sie kriegen doch heute die neue Praktikantin! Das hier ist Frau K.“

Frau K. schaut sich naserümpfend um, bekundet dann lauthals:
„Uah, das kann ich nicht riechen, da wird mir übel!“ und rennt hinaus.

Auch die Sekretärin findet es bei uns wenig anheimelnd. Wie gut, dass ich mittlerweile nichts mehr riechen kann, anstelle einer Nase habe ich einen undefinierbaren Riesenklumpen im Gesicht.

„Du siehst echt richtig scheiße aus!“ bekundet ein Kind zartfühlend sein Mitgefühl und die anderen Stimmen lautstark zu.

Ich versuche die Eltern vom zweiten sich übergebenden Kind zu erreichen, was zunächst daran scheitert, dass das Kind nur seinen Vornamen kennt und natürlich auch nicht seine Telefonnummer.

Während die Klasse sich an die Freie Arbeit begibt, lösen wir das Telefonproblem und eine nette Ansage springt mir ins Ohr:

„Es ist Freitag Morgen, Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass wir JETZT ans Telefon gehen! Bitte hinterlassen Sie......!“

Brav hinterlasse ich im nasalen Singsang:

„Trotz Freitag Morgen hat sich Ihr Kind gerade übergeben. Es wäre nett, wenn Sie es in Raum X abholen könnten....“

Ich lege ein klein wenig angenervt auf.
Der Schultag kann beginnen!

Kaum sitzen wir im Stuhlkreis um die Geschehnisse des frühen Vormittages verbal aufzuarbeiten, als ein Feueralarm durch das Schulgebäude schrillt.
Da kein Probealarm angekündigt war, wallt sekundelange Panik in mir auf.

„Klassenbuch!“ dröhnt es in meinem geplagten Schädel. (Nicht, dass das jetzt entscheidend gewesen wäre, aber ich trage ein Feueralarm-Klassenbuch-Trauma mit mir herum, seit ich bei meinem ersten Probealarm als richtige Lehrerin gewagt hatte, selbiges im Klassenraum zu vergessen.)

Klassenbuch geschnappt, Kinder aufgestellt, Fenster geschlossen.
Los geht’s.

„Ich komm nicht mit!“ heult da ein Erstklässler auf und hält sich angstvoll an einem Tisch fest. „Ich komm nicht mit, da ist Feuer!“

Die anderen Kinder drehen sich um und mitfühlend geäußerte Kommentare wie:
„Ja, Feuer ist echt gefährlich!“ bestärken den Entschluss des Kindes und seinen Willen nicht mitzukommen.

Ich weiß ja jetzt nicht, aber für pädagogisches Feingefühl fehlt mir ein wenig die Muße und so nehme ich das Kind mehr oder weniger auf den Arm.
Kein cooler Erstklässler lässt sich so mirnichtsdirnichts auf den Arm nehmen und so boxt das kleine angstvolle Wesen mich.
Nicht, dass meine Nase noch dicker werden könnte, aber reichlich Blut hatte ich noch zu bieten........

„Frau S. wann muss ich meine Medizin nehmen?“ fragt mich ein anderes Kind schüchtern und das ist der Punkt wo ich darum bete, dass das Wochenende beginnt......

26.01.2007, 05.27| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schule

Montagmorgen

Mit Montagen ist es wie mit Weihnachten.
Obwohl man lange vorher weiß, dass und wann sie kommen werden, stehen sie doch immer wieder reichlich überraschend und viel zu schnell vor der Tür.

5.30 Uhr der Wecker klingelt. Nach einem kurzen Moment geistiger Benommenheit spüre ich meinen beschleunigten Herzschlag und sitze senkrecht im Bett.
MONTAGmorgen. Die Jagd nach dem besten Platz in der Kopiererwarteschlange hat begonnen.

Hastig ziehe ich mich an, wuschle mir durch die Haare, wecke die Mädel, packe Kindergarten- und Schultaschen und gemahne zur Eile.

"Ist es denn schon wieder Montag?" fragt mich meine Tochter gähnend und fährt fort:
"Manno immer ist Montag. Immer müssen wir uns beeilen!"

Ich überprüfe rasch den Inhalt meiner sechs Leinen- und meiner großen Schultasche.
Bastelzeugs, Anschauungsmaterial, Kopiervorlagen, Bücher ....... scheint alles vorhanden.

"Mädel", dränge ich "wir müssen los!"

7.14 Uhr wir liegen gut in der Zeit. Ich bringe die Kinder in den Kindergarten, brüskiere die Erzieherinnen, in dem ich darauf hinweise, dass es montags ist und ich wirklich keine Zeit für eine kleine Plauderei habe und haste zurück zum Wagen.
7.21 Uhr MIST, zwei Minuten zu spät. Wie kann ich die Zeit nur wieder reinholen?

Mein Auto springt direkt an und ich umarme das Teilchen geistig. Los geht es.
Unruhig mit dem Po im Sitz umherrutschend mahne ich die Fahrer vor mir doch bitte in Zone 50 auch 50 zu fahren und nicht 30 bzw. gefühlte 20.

Schweißperlen stehen mir auf der Stirn, als ich endlich um 7.38 Uhr (viiiieeeel zu spät) auf den Lehrerparkplatz einbiege.
Ich weiche geschickt, wenn auch voller Wut, all jenen Eltern aus, die ihre Kinder am liebsten bis IN die Schule fahren möchten und hierfür gerne mal die Lehrerparkplätze blockieren.

Es gelingt mir einzuparken ohne irgendwen oder irgendwas zu rammen. Hinter mir die Lichter eines anderen Autos. Ein hastiger Blick. Nein, das kann doch wohl nicht wahr sein, schon eine Kollegin.
Ich raffe meine 13 Leinentaschen und die schwere Schultasche vom Beifahrersitz, drücke mit dem Allerwertesten die Autotür zu und eile los.

Ein schneller Blick auf die ausgestiegene Kollegin zeigt mir sofort, dass diese mindestens eine Leinentasche weniger trägt als ich und somit mobiler ist.
Ich sprinte los und ignoriere die schmerzhaft in die Kniekehlen schlagenden Beutel.

Die Kollegin holt auf, also nehme ich die Abkürzung über ein vesumpftes Wiesenstück.

"Heeeee!" brüllt mir da schon unser Hausmeister entgegen "Sie wollen doch mit den Sumpfstiefeln nicht etwa in MEINE Schule?"

Ich catche den 154 Kilo Mann mit all meinen hilfreichen Leinentasche zur Seite, grüße flüchtig und frage mich allen Ernstes, ob der Mann nach 40 Dienstjahren immer noch nicht weiß, was es bedeutet, wenn es MONTAGmorgen ist?

"Das wischen Sie aber weg!" donnert es mir nach und ich versuche mit einem unehrlichen, hastigen Nicken den Mann zu beruhigen.

Die Kollegin holt auf und beinahe zeitgleich erreichen wir die Tür des Lehrerzimmers.
Selbstverständlich stößt sie just in diesem Moment jemand von innen auf, mir somit mit voller Wucht vor die Stirn und ich klatsche - mitsamt den 24 Leinentaschen und der schweren Schultasche - zu Boden.

Der Inhalt aller Taschen ergießt sich auf dem Flur. Ich spüre eine dicke Beule auf meiner Stirn anschwellen und sehe, wie die Kollegin an mir vorbeihastet, leise murmelnd:
"Tut mir leid, du weißt ja, Montag!"

Das war doch abgesprochen. Das kann mir doch keiner erzählen. Das haben die Kollegen doch hinterrücks geplant, um mich aus dem Rennen zu werfen.

Ich klaube mein Zeugs zusammen, renne ins Lehrerzimmer, überblicke die Lage und stehe - als 5. - in der Schlange zum Kopierer.

"Ich bin Nr. 5, ich stehe gleich nach XY!" verkünde ich lautstark, nur damit mir nicht noch irgendwer Rang 5 streitig machen kann.

Ich plaziere meine 27 Leinentaschen und die schwere Schultasche unmittelbar hinter Nr.4 und haste zum Vetretungsplan, um mir den Montagsmorgenüberblick zu verschaffen.
Neben mir intoniert unsere Referendarin: "Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"
Ich eile zurück in die Warteschlange, komme aber nicht ganz bis zu dieser, weil mir irgendwer einen Telefonhörer hinhält.
"Für dich!"

Mist, das Telefonkabel reicht nur bis ca. 3 m vor den Kopierer, ich komme nicht bis zu meinem Warteplatz, werfe aber vorsorglich giftige Blicke in die Runde und schreie noch einmal: "Ich bin Nr. 5!" ehe ich der irritierten Mutter am Telefon erkläre, dass ich nicht sie gemeint habe.

"Mein Sohn soll auf keinen Fall mehr den pestizoid bakteriell verseuchten Kakao trinken!" wird mir mitgeteilt. Yeah, 4.!!! denke ich und antworte, dass es mir neu sei, dass unser Kakao pestizoid und bakteriell verseucht sei.
Daraufhin erklärt man mir, dass von einem Lehrkörper auch nichts anderes als Unwissenheit erwartet würde und ich gefälligst dem Kind das zu viel gezahlte Kakaogeld - denn es trinkt ja nun den Kakao nicht mehr - rückerstatten soll.

"Ey, ich bin Nr.4 !" brülle ich in diesem Moment durch den Raum, will sich doch tatsächlich eine Kollegein vordrängeln. Jetzt schubbst sie auch noch mit den Füßen meine 32 Leinentaschen aus dem Weg. Ehrlich. Wo sind wir denn hier?

Ich erkläre der Mutter geduldig, dass ich nicht sie mit meinem Nr. 4 Ausruf gemeint habe und verwickle mich zusehends in diesem blöden Telefonkabel.
"Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"

7.49 Uhr. Ich bin Nr. 3 - endlich.
Mir fällt das Jandl Gedicht ein: Erster sein!
Und ich finde, so als Dritte steht mir schon ein klein wenig Euphorie zu.
Gerade als ich zurück will in die Kopierschlange wird ein Junge ins Lehrerzimmer geschoben. Das Gesicht voller Blut.
"Nicht auf den Teppich!" schreit unser Hausmeister und unter dem Blut erkenne ich, dass es einer meiner Sprösslinge sein muss.

Ich stolpere nur kurz über das Kabel, lande aber eher sanft und dank Übung bin ich dennoch schnell bei dem Kind, das sein Nasenblut erstmal an meiner weißen Winterdaunenjacke abstreift.

"Telefon für dich!"  drückt man mir erneut einen Hörer in die Hand und ich kann mich zwischen Schielen auf die Kopiererwarteschlange und dem Verarzten des Jungen nur schwer darauf konzentrieren, dass ein weißer Schnellhefter für eine Liedermappe wohl zu farblos sei.

"Unter eine Fichtenwurzel.....!" "Herrje" herrsche ich die überraschte Referendarin an "Lass deinen Wichtel doch bitte mal woanders furzen!"

"Nein", beruhige ich die Mutter am Telefon "ich meinte doch nicht Sie!"
Schiebe den verarzteten Jungen aus dem Zimmer und versuche zum Kopierer zu gelangen.

Während es hinter mir an meiner blutverschmierten Jacke zupft "Frau.... du wolltest uns doch noch die Seepferdchen Ausweise geben!" heult die grob von mir angefahrene Referendarin und beschuldigt mich, an einem ihrer Nervenzusammenbrüche schuldig zu sein, nur weil sie den Zungenbrecher im Lehrerzimmer nicht üben darf.
Sicher versemmelt sie nun die Stunde und überhaupt.

Ich bekenne mich schuldig und dringe in Richtung Kopierer vor,
Da, ich habe es gehört. Habe ich es wirklich gehört?
Oh nein.
War es tatsächlich das schlimme Wort, das ich habe raunen hören?
Das Wort, das mehr Angst einflößt als "Konzept". Noch mehr gar als "Evaluation".
Das eine kleine Wort, dass den Montagmorgen zu einem Weltuntergang degradieren lässt.
Gerade noch geraunt, dringt das Wort wellenmäßig lauter werdend zu mir vor.
Nein, ich habe mich nicht geirrt:

"PAPIERSTAU!" kreischt eine Kollegin hysterisch und ich erstarre.

Hektische Betriebsamkeit macht sich am Gerät vor mir breit. "Sie nehmen jetzt bitte zwei Klassen mit zum Sport!" verkündet mir der Chef und gleichzeitig drückt man mir einen Wischer in der Hand: "Wischen Sie Ihren Dreck weg. So etwas gibt es nicht in MEINER Schule!" brüllt mir der Hausmeister ins Ohr und ich gehe davon aus, dass selbiges nun ertaubt sein wird.

Ein Blick auf den Kopierer. Jaaaaa, er tut es wieder. He, immerhin drei Kopien bevor es wieder staut. Geht doch. Wer sagt's denn.

7.54 Uhr. Ih bin ganz ruhig. Die neben mir keifende und weinende Referendarin muss ich leider ignorieren. Sie muss schnell lernen, was es heißt: MONTAGmorgen.

Zweite.
Ich bin zweite.
Die Kollegin vor mir packt geschätzte 37 Bücher aus und beginnt zu kopieren:
"Du, bei mir dauert das aber!" weist sie mich netterweise drauf hin!
Ich ordne meine 42 Leinentaschen und stelle fest, dass eine Mappe fehlt.

"Hat jemand meine YXZ Mappe gesehen?" frage ich freundlich in die Runde und erhalte ein ebenso freudiges: "Ja, die leih ich mir bis Donnerstag, ist das okay?" zurück.

Der Wichtel furzt auch schon wieder, als ich hastig zum Tisch springe, um meine Mappe zurückzuergattern. Ich meine, wir reden hier von Lehrern. Einmal verliehen für immer weg.

Auf dem Weg zum Tisch reiße ich versehentlich einen Holzschuber mit LÜK Kästen aus dem Regal. Hunderte LÜK Plättchen verstreuen sich kafkaesk auf dem Boden. Das hat was.

Leider kann ich diese nun nicht mehr aufsammeln, denn: Ich bin dran!!!!!!!!!
Erste. Erste. Erste.

Die Plättchen knacken, als ich über sie hinweg renne. Ich erreicht den Kopierer genau in dem Moment, in dem es schellt.

"Macht nichts", tröstet mich die Kollegin "Ist eh Papierstau!"

25.01.2007, 20.00| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Lehrer